10.02.2012, 16:42 Uhr | dapd
Mit Dienstwaffe und Fotoapparat bewaffnet gehören die Fahnder des Hauptzollamts Darmstadt zu den ersten Besuchern der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente, die am Freitag begonnen hat. Gemeinsam mit den Herstellern geschützter Produkte rund um Heim und Leben suchen sie nach Plagiaten. Sie tun heute schon das, was das geplante Urheberschutz-Abkommen Acta erreichen soll: Fälschungen auf Messen sind seit 2006 teils bis zu 95 Prozent zurückgegangen.
Immer wieder greifen die Fahnder Händler gefälschter Waren auf. Die zehn grünuniformierten Männer und Frauen werden auch unter den rund 4.500 Ausstellern aus 87 Ländern der Ambiente schnell fündig. Zu den ersten Produkte, welche die Fahnder konfiszieren, ist die plagiierte Etagere Babell vom deutschen Hersteller koziol. Die gefälschte Version der dreistufigen Ablage für den Esstisch haben asiatische Händler mit auf die Ambiente gebracht. Die Zollfahnder sperren den Stand ab, unterhalten sich mit dem Aussteller und machen Fotos zur Beweissicherung. Die in grellen Blau- und Grüntönen gehaltene Nachahmung wird eingesackt.
Thorsten Muntermann, Geschäftsführer des Herstellers koziol, der mit "100% Made in Germany" wirbt, kann zufrieden sein. Nun können die Messebesucher sein Produkt nur noch an seinem Stand betrachten und hoffentlich ordern. Solche Beschlagnahmungen "fruchten schon", sagt er. Zumindest in den Heimatmärkten könne sich die Branche so schützen. Allerdings: "An die Hersteller kommen wir gar nicht ran. Die sitzen irgendwo in Asien. Hier finden wir nur die Händler", sagt Muntermann. Fälschungen seien für ihr ärgerlich, Beschlagnahmungen aber eine Genugtuung.
Das Hauptzollamt Darmstadt besucht die Frankfurter Messen seit sieben Jahren, sagt Zollamtsrätin Kirsten Jung. Wie viel die Rundgänge der besonderen Art dieses Mal bringen, kann sie erst gegen Ende der Messe, die noch bis Dienstag läuft, sagen. Unterstützt wird das Zoll-Team von einer ganzen Allianz deutscher Institutionen und Interessenverbände. Diese reicht von den deutschen und dem europäischen Patentämtern bis zum juristischen Notdienst der Messe Frankfurt. Allerdings empfehle es sich, schon vor der Messe einen Rechtsanwalt zu kontaktieren, heißt es in einer Broschüre.
Die Bilanz der Messe Frankfurt ist erfolgreich. Rund 22.000 Kunden wurden seit Beginn der Initiative 2006 beraten. Außerdem sinke die Anzahl durch den Zoll beschlagnahmter Produkte auf Frankfurter Messen seit 2006 stetig. Auf einzelnen Messen bis zu minus 95 Prozent - ein Zeichen der abschreckenden Wirkung. "Mit der Initiative setzen wir uns dafür ein, durch Aufklärung und Hilfestellung bei der Durchsetzung von Schutzrechten ein faires Geschäftsumfeld zu schaffen, in dem Nachahmungen keine Chance haben", sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.
Das dürfte Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gerne hören. Sie hat sich am Freitag zur öffentliche Debatte über das Urheberschutz-Abkommen Acta in Berlin geäußert. Deutschland tue bereits genug, sagte sie und kritisieret die positive Haltung der EU gegenüber Acta. "Gerade weil sich aus dem Vertragstext für Einzelstaaten wie Deutschland keinerlei gesetzgeberischer Handlungsbedarf ergibt, muss sich die EU den kritischen Fragen stellen, warum das Abkommen erforderlich ist", sagte die Ministerin. Acta ist ein weltweites Abkommen gegen die Produktpiraterie auf von völkerrechtlichem Rang.
Auch der Rösle, Hersteller von exklusiven Grill-Werkzeugen, ist mit den Zollfahndern höchst zufrieden. Früher waren die Fälscher frecher. "Einmal kam einer mit Plagiaten direkt an unseren Messestand und hat sie uns ganz stolz hergezeigt", sagt der Gebietsverkaufsleiter Jörg Seiferheld. "Die Sachen sind sofort beschlagnahmt worden," schmunzelt er.
Zu den am meisten kopierten Rösle-Produkten gehört eine einfache Grillzange. Sie biete "ausgewogene Federkraft" und "die exakte Kraftübertragung auf die Enden der Zange", was "eine optimale Handhabung am Grill" garantiere, heißt es in der Produktbeschreibung. Warum die Zange im Verkaufspreis bei mindestens 20 Euro liegt, kann Seiferheld leicht beantworten: "Uns braucht man nicht, uns will man".
dapd
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