30.08.2011, 16:28 Uhr | dapd
Remagen-Rolandseck (dapd-rps). Landschaften entstehen im Kopf. Wie sie gesehen werden, ist geprägt von inneren Bildern und dem Zeitgeist. Damit beschäftigen sich zwei neue Ausstellungen im Arp Museum in Remagen-Rolandseck, die am Sonntag (4.9.) eröffnet werden.
"Rheinromantik. Mythos und Marke" lautet der Titel der einen Ausstellung, die im historischen Bahnhof Rolandseck gezeigt wird. Im Zentrum stehen stereotype Perspektiven auf den idealisierten Rhein, wie sie in Gemälden, aber auch in Souvenirs, alten Reisebüchern und historischer Literatur zum Ausdruck kommen.
Im Museumsneubau oberhalb des Bahnhofs wiederum wird unter dem Titel "Belvedere. Warum ist Landschaft schön?" gezeigt, wie zeitgenössische Künstler mit solchen Landschaftsstereotypen spielen, sie hinterfragen, brechen oder ad absurdum führen. Für diese Ausstellung mit Gemälden, Installationen, Zeichnungen und Videoarbeiten wurden unter anderem Werke von Gerhard Richter und Roy Lichtenstein gewonnen.
Die Welt der Rheinromantik ist auch die Welt des Kitsches, das wird beim Rundgang durch die Ausstellung im Bahnhofsgebäude schnell klar. Doch die Bilder von wildromantischen Burgen und schroffen Felsen prägen bis heute unsere Wahrnehmung des Rheintals als schöner Landschaft - nicht zuletzt deshalb, weil sich diese Bildwelten lange Zeit nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Gestaltung von Alltagsgegenständen wiederfanden.
So findet sich in der Ausstellung zum Beispiel auch ein Bowle-Set, auf dessen bauchiger Schale die Burg Stolzenfels prangt, während obenauf, als Griff für den Deckel, die Loreley im Miniaturformat thront. "In der Generation unserer Großeltern war es offenbar üblich, dass man ein solches Bowlegefäß besaß", schildert Sabrina Brose aus dem Team um Kurator Thorsten Smidt, während sie Hunderte dieser Keramikschalen zu einer Installation verarbeitet. Bekommen habe das Museum die Schalen durch eine einfache Suchanzeige, auf die sich überraschend viele Anrufer meldeten, die auch noch so ein Bowle-Set zuhause hatten.
In der "Belvedere"-Ausstellung im Richard-Meier-Bau des Museums bekommt genau diese Romantik Risse. Ein gutes Beispiel hierfür gibt das "Broken Claude-Glass" von Ellen Harvey aus dem Jahr 2010 ab. Claude-Gläser sind kleine, getönte und gerahmte Spiegel, das Glas konvex geformt. Mit Hilfe dieses Fotoapparat-Vorgängers aus dem 18. Jahrhundert konnte der Betrachter, wenn er ihn vor sein Gesicht hielt, die Landschaft in seinem Rücken wie in einen Rahmen gefasst betrachten - einem Kunstwerk gleich. Das vermeintlich idyllische Landschaftsbild jedoch, das Harveys Claude-Glas wiedergibt, weist Risse auf. Der Spiegel ist zerbrochen.
Landschaften, durch unübliche Brillen besehen: Jenseits des sagenhaften, künstlerischen, nationalen oder touristischen Blickes auf den Rhein, den die vier Kapitel der Rheinromantik-Schau präsentieren, findet sich in der "Belvedere"-Ausstellung durch Medien Geprägtes, Verpixeltes, Konstruiertes, Ironisches, Reduziertes, Surreales und Absurdes.
"Unsere beiden Ausstellungen sollen den krönenden Abschluss des Themenjahres 'Natur und Landschaft' bilden", erklärt Museumsdirektor Oliver Kornhoff. Gezeigt werden sie im Rahmen der Kooperation "Rheinblicke 2011" mit dem Mittelrhein Museum Koblenz und dem Siebengebirgsmuseum Königswinter. Beide Ausstellungen sind von 4. September 2011 bis 4. März 2012 zu sehen.
dapd
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