08.11.2011, 06:37 Uhr | dapd
Gemetzel, Verwüstung und Feierlaune - unterschiedlicher könnte das Bild am Montagabend im Berliner In-Club "40 seconds" kaum sein. Auf weißen Sofas prosten sich Prominente gegenseitig zu, während Videospieler unweit an zahlreichen Konsolen die Waffen in "Modern Warfare 3" abfeuern. Bei einem anderen Hersteller konnten sie bereits die Tötung Osama Bin Ladens nachspielen. Mit der Neuerscheinung aus der "Call of Duty"-Reihe geht der Krieg gegen den Terrorismus an nachgebildeten Schauplätzen weiter.
Zum Verkaufsstart der achten "Call of Duty"-Kampagne sind zahlreiche Computerfans und Prominente gekommen. In der grün erleuchteten Lounge heizt ihnen DJ Tomekk mit harten Beats ein. Dutzende Computerfreaks blicken in aufgestellten Flachbildschirme. Ihre Finger flitzen über die Controller. Das Spiel werde durch reale Schauplätze sehr lebhaft, ruft Tomekk vom DJ-Pult. Das Schießen gehören aber nur auf die Konsole. Auf der Straße solle "Liebe und Respekt" herrschen.
Tatsächlich erinnern jedoch einige Szene an brutale Wirklichkeiten. Eine Londoner U-Bahn entgleist und explodiert in einem Level - ein Bild der Verwüstung bleibt zurück. Entsprechende Szenen in einem Trailer sorgten bereits vor Verkaufsstart des Spiels für Kritik. Britische Terror-Betroffene fühlten sich stark an die tödlichen Anschläge vom 7. Juli 2005 erinnert. Damals kamen 52 Menschen in einem Londoner U-Bahn-Schacht ums Leben.
Die Popularität von "Call of Duty" liegt offenbar nicht allein an der Qualität des Spiels. Der US-amerikanische Spielehersteller Activision scheint es auch auf Skandale anzulegen. Activision weist den Vorwurf zurück. Natürlich könnten Videospiele, die an einem realen Schauplatz spielten, den Spieler emotional berühren, sagt Sprecher Christian Blendl beim Launch-Event. Die Kampagne erzähle aber eine "fiktive Geschichte". Zudem sei es gerade in dem U-Bahn-Level die Aufgabe des Spielers, einen fiktiven Anschlag zu verhindern.
Schauspieler Ben Becker nimmt es mit dem Ballerspiel gelassen. Er hat sich in einer ruhigen Ecke auf dem Sofa niedergelassen und zieht genüsslich an einer Zigarette. Zwar habe auch er sich Gedanken gemacht, bevor er dem Computerspiel seine Stimme verlieh, sagt er. Doch dieses Spiel sei "einfach unglaublich gut gemacht". Schließlich schaue er auch schon einmal einen Actionfilm, von daher sei das Spiel für ihn "in Ordnung".
Der "weltgrößte Fan" von Ego-Shootern sei er aber nicht. "Als ich ein junger Mann war, kam Space Invaders auf", erinnert er sich. Seine Freunde hätten ihr ganzes Taschengeld dafür investiert, er selbst habe nur danebengestanden und sich gelangweilt. "Das ist bis heute so geblieben", fügt er hinzu. Eine geschenkte Xbox 360 nimmt er dennoch mit nach Hause. Darauf könne seine Tochter auch andere Spiele spielen, sagt er verschmitzt. Die Elfjährige interessiere sich aber vor allem für das Reiten und spiele Klavier - und das sei auch gut so.
Ex-Fußball-Profi Stefan Effenberg zockt unterdessen auf einem Großbildschirm weiter. Blut spritzt, seine Spielfigur ist getroffen. Zumindest bei den Effenbergs wird das Spiel sicher in den Haushalt einziehen. Realer Schauplatz hin oder her: In Amerika sei er auf den Geschmack von "Call of Duty" gekommen, sagt Effenberg.
dapd
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